Aus der Werkstatt / Blog

Willkommen in meiner Werkstatt.

Hier begleite ich meine Projekte während der Arbeit mit Fotos – für mich zur Dokumentation (habe ich viel zu lange vernachlässigt) und wenn es Sie interessiert für ein paar Blicke über die Schulter. Ich werde hier nicht allzu viele Erklärungen zu den Projekten geben, bin aber sehr gerne bereit, Fragen zu beantworten. Außerdem werden einige Projekte nach der Fertigstellung als Beitrag in den Blog übernommen.

Sie können alle Fotos anklicken zum Vergrößern – die Qualität ist dann deutlich besser.

März 2017

Endlich ist der Aschenbecher fertig!

 In einer konzertierten Aktion habe ich alle meine Kräfte zusammengenommen und das wunderbare Stück fertig gestellt. Hier könnt Ihrs sehen:

Größe der Stickerei: 34cm im Durchmesser. Die Arbeitsstunden habe ich nicht gezählt, das macht auch keinen Spaß aber ich kann sagen, dass das Zusammenstellen der verschiedenen Stickfarben aus sieben einzelnen Fäden ungefähr genauso lange dauert wie das eigentliche Sticken, so dass mehr als 150 Stunden auf jeden Fall in diesem Bild stecken.

Jetzt brauche ich noch einen metallenen Rand drumherum, damit es einem Aschenbecher wirklich ähnelt.

Werde auf der nächsten Landpartie den Schlosser fragen.

Anfang Januar 2017

Vor Weihachten war wieder mal viel los, wie kann es auch anders sein. Ich habe, neben der Tischdecke, die ich weiter unten endlich fertig stelle, auch noch ein schönes Geburtstagsgeschenk für Thérèse, meine Ballettlehrerin, gemacht. Ihr Lieblingsfoto mit goldenen Pailletten bestickt, auf einen Keilrahmen gezogen und —– hübsch.

Aber eigentlich wollte ich von der Tischdecke berichten, also:

Also, die Tischdecke. Aus den tausenden Einzelteilen (wusste nicht, dass jede Tischdecke so viele einzelne Ornamente hat), habe ich verschiedene Musterideen gelegt und festgestellt, dass es immer wieder am besten ist, es einfach wachsen zu lassen. Also, munter eingefädelt und begonnen, drüber und drunter zu applizieren: es sollte organisch fließen und nicht starr und ordentlich wie auf einer braven Tischdecke geordnet sein.

So habe ich nicht nur wieder viel gelernt über Applikation und verschiedene Stoffqualitäten und wie die sich zu einander verhalten, sondern auch darüber, wieviel Freude das Nähen mit der Hand macht.

Der große zusammengesetzte Mittelteil musste nun in die Tischdecke eingesetzt werden. Ich hatte früh entschieden, dass ich ihn nicht von oben applizieren wollte, die Decke wäre dann viel zu dick und langweilig geworden. Nein, es sollte im Reverse-Appliqué geschehen, wenn schon, denn schon.

Leinen bestellt bei Weddigen, schwere Altartuchqualität. Ein herrliches Leinen, wer so etwas einmal angefasst hat, will nie wieder Baumwolle, ich schwör!

Dann, zur Absicherung noch einmal  zur Tuchfühlung gegangen, denn wenn ich einmal schneide, ist es nicht mehr rückgängig zu machen, und zwei Köpfe denken besser als einer (hoffe ich).

Von links habe ich den Applikationsstrang aufgeheftet und dann nochmal mit der Maschine mit einem mittleren Stich aufgenäht – ich hatte zuviel Angst, dass sich die Arbeit verzieht.

Und dann immer nur soviel aufgeschnitten, wie ich in dem Moment genäht habe und rundherum den ganzen großen Blumengarten in die Decke genäht. Eine wunderbare Arbeit, die mir sehr sehr viel Freude bereitet hat (nach der ganzen Angst ja wohl das Mindeste!)

Die Decke sieht klasse aus und macht mich richtig stolz.

Noch ein paar kleine Libellen hier und dort zwischen den Blumen und am Ende:

Zu der Decke gabs dann noch ein Dutzend Servietten, es waren noch so viele Ornamente übrig.

Ich wünsche viel Freude damit, mir hat es sauviel Spaß gemacht, aus ungenutzten Erbstücken  ein Showpiece zu arbeiten, an dem man viele Jahre Freude haben kann.

11. Oktober

Dafür, dass ich so lange nichts gepostet habe, bringe ich nun zügig zwei große Projekte hinter einander.

Heute wieder ein Werkstattbericht, denn das Projekt ist noch nicht fertig. Es hat mir schon einige schlaflose Nächte beschert, macht aber auch riesig viel Spaß.

Es handelt sich um einen Kundenauftrag: aus einem Stapel geerbter, bestickter Tischdecken etwas Neues zu machen, etwas, das sich in ein modernes Haus und Alltagsleben gut integrieren lässt und der Bedeutung der Erbstücke trotzdem Rechnung trägt.

Jeder hat solche Tischdecken im Schrank und dort bleiben sie meistens auch, leider.

Was aber aus diesen Decken machen?

Die Idee war, aus allen 9 Decken eine einzige, üppige Gartentischdecke zu machen, ein richtiges Showpiece mit überbordendem Blumenschmuck.

Dafür musste ich aber zuerst etwas tun, das auf der ganzen Welt eines der verbotensten Dinge überhaupt ist (kommt noch vor in-Mamas-Handtasche-wühlen und fremde Tagebücher lesen): ich musste die Stickarbeiten einer anderen Frau zerschneiden!

Ja, ich habe es getan, Je m’accuse!, es musste sein (sagen sie doch alle!).

Wow, das war echt hart und schwer, ganz ehrlich.

Am Ende des grausamen Massakers sah es dann auf meinem Tisch so aus:

Seitdem habe ich aus den Einzelteilen durch Zusammennähen und Applikation einen schönen, üppigen Strang gebaut, der dann in eine schwere Tischdecke eingenäht werden soll.

Dazu nächstes Mal mehr.

10. Oktober

Zack, Herbst.

Im September hat sich eine ordentliche Menge getan, ich habs nur nicht eingestellt. AAAAAber wenigstens brav fotografiert und jetzt beginne ich mit der Beschreibung.

Für einen Kunden sollte ich drei Kissen entwerfen, die einen festen Platz im Flur auf der Schuhkommode haben würden, zum bequemen Sitzen. Thema: Basketball!

Uff, Basketball und Stickerei gehen ja nicht automatisch zusammen, noch nicht einmal in meinem wirren Kopf. Lineare Ideen (wie Spielfeldzeichnung) erschienen mir zu plakativ und uninteressant.

Ich habe begonnen, mit Stofffarbe und Druck herumzuspielen und das Ergebnis hat mir ausnehmend gut gefallen.

Entschuldigen Sie die merkwürdige Lichtqualität, ich habe die Färbeexperimente im Garten gemacht und zwar folgendermaßen:

  • Basketball der Tochter klauen
  • Stofffarbe in Orange und Grau mischen (ich habe EMO-Farben genommen)
  • den Ball damit einpinseln
  • kräftig auf den Stoff schmettern
  • sich ärgern, wenn es spritzt und man keine alte Hose angezogen hat
  • begeistert sein, wie detailgetreu die Abdrücke sind
  • Stoffe auf der Leine trocknen lassen
  • bügeln zum fixieren
  • mit passendem Stickgarn die Linien herausarbeiten

TADAAA!

Sieht klasse aus, überhaupt nicht altmodisch und ist sichtbar nicht von der Stange.

Jo, damit bin ich zufrieden, und der Kunde auch.

26. August

Der Alltag ist ja schon längst wieder eingekehrt, die lässigen Urlaubstage schon sooo lange vorbei. Jetzt wird es hohe Zeit, Euch und Ihnen zu zeigen, was sich getan hat im Urlaub und seitdem. Ich hatte schon wieder vergessen, wie die Bildbearbeitung geht, ich Dummie, das musste ich wieder neu lernen.

Wenn es ohne Nadel ist, fällt es mir halt schwer!

Nun aber: Ich hatte geschrieben, dass ich im Urlaub Occhi lernen wollte und, was soll ich sagen, ich bin grandios, auf ganzer Linie und komplett gescheitert! Der blöde Knoten wollte niemals „springen“, mit und ohne Zureden, mit und ohne Schimpfen und mit und ohne Flehen – nix zu machen. Ich habe mich vor meiner Familie und am Strand einige Tage lächerlich gemacht indem ich am Faden verzweifelt bin und dann beschlossen, dass Occhi nicht meine Technik sein wird, so leid es mir tut.

Das dazu.

Nach dieser unerfreulichen Episode habe ich wieder das gemacht, was ich kann und was mir Freude macht. Von zuhaus hatte ich nur ein Stück Leinen, vier oder fünf verschiedene Garne, ein paar Nadeln und eine Schere mitgenommen und wollte sehen, was sich ergibt. Ich begann, am Strand alle möglichen Dinge zu sammeln. Nicht gezielt, nicht geordnet, alles Mögliche, schön oder hässlich, Plastik oder Stein oder Glas, querbeet einfach alles. Meine Familie kennt ja schon meine Marotten und stellt keine Fragen. Sie haben mir sogar besonders abenteuerliche Fundstücke aufgehoben, die Lieben.

Nach ein paar Tagen hatte ich einen bunten Haufen Fundstücke zusammen und begann, sie Stück für Stück aufzunähen.

Es gab keinen festgelegten Plan, nacheinander passte jeweils ein Stück an eine Stelle, das Bild wuchs in alle Richtungen.

Mit dem kleinen roten Verschlussteilchen unten an der Spitze war das Bild dann nach sechs Tagen plötzlich fertig.

Und das kam bei meiner found object-Meditation heraus:

50×40 cm

Eine neue Art, frei zu arbeiten, nur mit dem, was der Ort hergibt, mit einem Minimum an Material, ohne Rahmen und ohne Motivvorgabe. Hat Riesenspaß gemacht, tolle Möglichkeit abzuschalten.

 

27. Juni

Jippieee……Urlaub!

Wir fahren/fliegen heute nach Venedig und danach nach Kroatien und ich werde schauen und lesen und baden und nix tun (bis auf Occhi lernen und found objects sticken und mit Lisbeth am world watercolour month teilnehmen).

Jedenfalls bleibt das Atelier bis Mitte Juli zu, geschlossen, aus die Maus.

 

22. Juni

Wie das immer so ist: der Aschenbecher ist schon wieder abgebaut – Aufträge gehen vor! Ich werde oft gefragt, wie lange ich für die großen Projekte brauche. Ich kann es nie sagen weil immer etwas dazwischenkommt (menno, immer diese Kunden!!!).

Kurzfristig kamen diese beiden Kissenaufträge, die noch vor den Ferien (ab heute Schulferien, yeah) fertig gestickt sein müssen.

Zuerst kam das Kissen für Lina. Vor zehn Jahren hatte ich dieses zerliebte Kissen gestickt und Lina hat jede Nacht seitdem darauf geschlafen. Das haut den stärksten Stickfaden um! So ist die Stickerei mit dem Füßchenabdruck der Neugeborenen größtenteils ausgefallen und der Name nicht mehr lesbar.

Auftrag: Bitte, neu machen. Lina liebt ihr Kissen so sehr, sie mag nicht ohne sein. Das arme Kind, da muss geholfen werden.

 

Also flugs Leinen zugeschnitten, Farben gesucht und neu gestickt.

Das sieht bald schon wieder wie das Original aus.

Aber richtig schön wirds erst wenn es genäht und mit dem Kissen gefüllt ist.

Das Kissen geht heute Abend zu Lina, dann kann die Kleine endlich wieder schön schlafen.

Stickerei als Sandmann, cool.

Das zweite Kissen ist ein Pensionierungsgeschenk für eine reiselustige Dame.

Die Motivwahl fiel auf einen Reisepass. Verzwicktes Bild, denn formale Stempel sind gar nicht gut zu sticken, wie ich herausfand. Also musste ich abstrahieren und die Formen leicht verändern.

So sieht das dann aus:

Dieses Kissen geht morgen an die Kundin, dann kann ich mich an die nächsten Schürzen mit Forellen und Sardinendosen machen. Dazu dann mehr.

Danke für die Aufträge. Es macht immer wieder Spaß, auf dem kleinen Format zu spielen.

Bitte, melden Sie sich bei Fragen zur Arbeit, zu den Kissen oder überhaupt.

Danke

 

10. Juni: Projekt Aschenbecher

Schattierter Perlstich auf Stramin

An diesem Bild (oder was es auch immer wird) sitze ich schon eine ganze Weile, mit laaaangen Unterbrechungen. Im Alltag drängeln sich immer wieder kurzfristige Aufträge vor und irgendwann steht der Rahmen auseinander gebaut in der Ecke. Als erstes Werkstatt-Projekt möchte ich jetzt dieses Schätzchen fertig stellen. Immerhin ist ja schon fast die Hälfte fertig.

Der Leistenrahmen ist an die Arbeitsplatte geklemmt und am unteren Rand rechts kann man sehen, wie ich die fertig gemischten Fäden für die nächste Farbfläche vorbereitet im Stramin verankere.

Ich sticke mit Twist, 6 – 8-fädig und halte die perfekte Ordnung auf dem Arbeitstisch, wie man sehen kann.